Historie “Bäcker Friehe”

Die Geschichte der Harzer Landbäckerei Friehe zieht sich über mehr als 100 Jahre durch den Südharzraum und den Raum Groß Lafferde.

Bereits um die Jahre 1810/12 herum betrieb erstmals Conrad Friehe(1784-1861) eine der Dorfbäckereien in Groß Lafferde (liegt im Braunschweiger Land), welche von seinem Sohn Friedrich(1812-1865) weitergeführt wurde. Wie lange die Bäckerei geführt wurde, ist nicht bekannt, sicherlich aber mindestens bis Mitte des 19.Jahrhunderts.

Wie kamen die Friehes in den Südharzer Raum?

Einer der Enkelsöhne von Friedrich, Wilhelm Friehe(1876-1926), hat schließlich die Tradition wieder aufgenommen und wurde ebenfalls Bäcker.

Seine Wanderschaft als Geselle führte ihn in den Südharz, nach Herzberg. Hier lernte er seine Frau Luise, geb. Mittendorf, kennen.

Mit ihr an seiner Seite pachtete er im Jahre 1902 in Hörden, einer Nachbargemeinde von Herzberg, ein Wohnhaus mit Backofen und eröffnete eine Lohnbäckerei.

Diese befand sich in der heutigen Schulstrasse gegenüber der Gastwirtschaft „Hördener Krug“.

Von den Erträgen erwarb das sparsame Ehepaar ein Grundstück in der heutigen Mittelstrasse, dem heutigen Firmensitz.

Ein ganzes Haus zieht um!

Auch ein günstiges Fachwerkhaus fand sich im Oberharz. Dieses erstand Wilhelm Friehe, ließ es zerlegen und in Hörden wieder aufbauen.

(Dieses Vorgehen war damals zwar ungewöhnlich, jedoch in dieser Zeit durchaus kein Einzelfall.)

Der Lottogewinn als Grundstock!

Einen kleinen Lottogewinn  von 1000 Reichsmark in den darauffolgenden Jahren nahmen die Bäckersleute zum Anlaß, auf ihrem Grundstück eine Backstube anzubauen.

Nachdem der Ofen gemauert war, wurde zum ersten mal in der langen Backtradition der Friehes in einer eigenen Backstube produziert.

Der Hausflur diente damals als Verkaufsraum.

Das „Lohnbacken“

In der damaligen Zeit haben die Leute des Ortes ihr Getreide von einer der vielen kleinen Mühlen vermahlen lassen und brachten das Mehl dann zum  Bäcker. Der verarbeitete dies dann zu Brot.

Das nannte man damals Lohnbacken, weil die Leute ihr eigenes Mehl vom Bäcker zu Brot machen ließen.

Dafür ließ der Bäcker sich bezahlen.

Die Leute, die keine Landwirtschaft hatten und also auch kein Mehl bringen konnten, mußten einen höheren Preis für das Brot bezahlen.

Aber auch andere Gegenstände des täglichen Lebens, z.B. Obst, Gemüse oder Holz wurden oft als Zahlungsmittel angenommen, also war sozusagen der Tauschhandel um 1800 herum noch gängige Praxis

Drei Söhne lernen den Bäckerberuf!

Wilhelm und Luise Friehe hatten 10 Kinder, fünf Söhne und fünf Töchter, welche alle in den Jahren in Hörden geboren wurden! Drei der Söhne erlernten den Beruf des Bäckers, damit war die Fortführung der Tradition gesichert.

Rückkehr nach Groß Lafferde

Die Sehnsucht nach seiner Heimat ließ jedoch Wilhelm Friehe nicht los, zudem war die wirtschaftliche Situation nicht besonders gut.

Als im Jahr 1919 die Gemeindebäckerei in

Groß Lafferde frei wurde, verpachtete er kurzerhand seinen eigenen Betrieb in Hörden und wurde wieder Pächter der Gemeindebäckerei in seinem geliebten Heimatdorf.

Hier erhoffte sich der Familienvater bessere Voraussetzungen aufgrund der Infrastruktur.

Keiner konnte ahnen, dass Wilhelm nicht mehr viele Jahre leben würde.

Im Jahr 1926 starb Wilhelm Friehe und hinterließ eine große Familie.

Die nächste Generation

Sohn August (1906-1976) besann sich im Jahr 1937 der familieneigenen Bäckerei in Hörden am Harz und ging zurück in seinen Geburtsort, um den Betrieb mit seiner Frau Helene,geb. Bartels, zu betreiben.

Auf dem Foto zu sehen die Bäckerkutsche mit August Friehe und Sohn Horst ca um 1947 vor dem Haus der Familie August Deppe in der Mittelstrasse, gegenüber der Bäckerei. Auf dem Foto zu sehen die Bäckerkutsche mit August Friehe und Sohn Horst ca um 1947 vor dem Haus der Familie August Deppe in der Mittelstrasse, gegenüber der Bäckerei.

Mit der Bäckerkutsche, beladen mit ihren wenigen Habseligkeiten sowie eingemachtem Obst für den Anfang, machte man sich auf den Weg.

Doch obwohl dem derzeitigen Pächter, Bäckermeister Schwarz, bereits ein Jahr vorher gekündigt wurde, weigerte sich dieser, die Pacht aufzugeben und mußte mit Polizeigewalt entfernt werden.

Von diesem Zeitpunkt an waren die Friehe-Bäcker ständig in Hörden präsent.

Mit einem Pferdewagen fuhr August Friehe bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter, sein Backwerk in die benachbarten Gemeinden zu seinen treuen Kunden!

Sein Herz und seine Leidenschaft gehörte seinen Tieren.

Zwei Pferde, Ziegen und zwei Kühe hielt er in einem Stall und bewirtschaftete ein paar Morgen Pacht-Land.

Das zweite große Hobby war der Fussballverein

Rot-Weiß Hörden, dem er hingebungsvoll seine knapp bemessene freie Zeit widmete und für deren Anliegen er stets ein offenes Ohr hatte.

Auch im Kirchenvorstand und im Gemeinderat war er viele Jahre ehrenamtlich tätig.

Der Wandel kam mit der 3. Generation!

Sohn Horst Friehe übernahm 1972 mit seiner Frau Irene, geb. Lichtenberg, die Geschicke der Bäckerei. Zuerst wurde der alte Brustfeuerungsofen rausgerissen und ein erdgasbefeuerter Etagenofen gekauft.

Im Jahre 1975 baute man im Garten neben dem alten Wohnhaus ein Fertighaus, denn mittlerweile waren drei Kinder geboren und es wurde eng.

Die alte Backstube wird abgerissen!

1980 schließlich wurde das alte Gebäude mit Backstube abgerissen und binnen 4 Wochen die heutige Produktionsstätte mit Laden errichtet.

Eine Filiale in Herzberg haben die Friehes 1984 eröffnet, die bis heute noch besteht.

Dann folgte 1992 ein Backstubenanbau in Eigenleistung mit Kindern und Schwiegersöhnen, um einem zweiten Ofen Platz zu machen.

Arbeit und Hobby…

Was sein Vater Früher mit dem Pferdewagen machte, erledigte Horst mit dem PKW. Täglich fuhr er, nachdem die Arbeit in der Backstube getan war, auf Tour, um in den umliegenden Ortschaften, bis hin nach Osterode, seine guten Backwaren an seine Kunden zu verkaufen.

Ein wirklich langer Arbeitstag!

Ein ungewöhnliches Hobby pflegte er über Jahrzehnte bis in die Rente hinein:

Als Vorstandsmitglied gestaltete er die Geschicke der Bäckerinnung Osterode mit und ist heute als Ehrenmitglied der Innung ein gern gesehener Gast auf den Veranstaltungen.

Irene u. Horst Friehebeim 90jährigen Firmenjubiläum 1992

Eine aktive Bäckersfrau!

Seine Frau Irene schenkte ihm 3 Kinder.

Gabriele, Kerstin und Joachim.

Neben dem Betrieb, in dem sie viele Stunden am Tag arbeitete, brachte sie die Kinder groß.

Sie war als resolute aber großherzige Frau bekannt und geachtet.

Sie gestaltete jedes Jahr mit „ihren Gymnastikfrauen“ eine Fußgruppe oder auch einen Wagen zum großen Rosenmontags-Umzug in der Karnevalszeit.

Hier konnte sie ihren erlernten Beruf als Dekorateurin leidenschaftlich ausleben und kreativ wirken.

Ihre Ideen und Motive sind in Karnevalskreisen der Region legendär und bewahren auch in den Hördener Vereinen die Erinnerung an Irene nach ihrem Tode Weihnachten 2009.

Irene Friehe in ihrem Element…
Oma `ReneMit ihrer Enkeltochter Fabienne

Die Inhaber Heute

In der 4. Generation in Folge übernahm 1999 Joachim Friehe mit seiner Frau Linda-Marina, geb. Koch, die Bäckerei. Auch sie begannen mit großen Investitionen, um die Zukunft des Betriebes zu sichern. Die Backstube wurde nahezu verdoppelt, die beiden Öfen wurden ausgetauscht sowie die Modernisierung der Backstubeneinrichtung vorangetrieben, um die Arbeitsbedingungen an die derzeitigen Erfordernisse anzupassen sowie die Kapazität zu erweitern.

Auch Joachim Friehe engagiert sich ehrenamtlich als Obermeister der Bäckerinnung Osterode, Bezirksobermeister im Innungsbezirk Hildesheim/Südniedersachsen und stellvertr. Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Hildesheim.

Mit seiner Frau Linda-Marina hat er 4 Kinder, Dustin, Fabienne, Juliana und Jannis.

Seine Frau hält ihm den Rücken frei und sorgt dafür, dass alles gut läuft, auch wenn er wieder einmal in Sachen Ehrenamt unterwegs ist.

Auf dem Foto der heutige Inhaber, Joachim Friehe, mit seinem jüngsten Sohn Jannis im Jahr 2006.

Zum heutigen Zeitpunkt werden Filialen in Herzberg, Schwiegershausen, Wulften und Förste, sowie ein Verkaufswagen betrieben.

Das Ehepaar Friehe hat vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter und man wird sehen, ob die Geschichte weitergeht……

Belegschaft und Familie im Sommer 2006